Originalholz-Transplantation 

Diese Restaurationstechnik ist eine sehr hilfreiche Methode wenn es darum geht, Originalholz zu ersetzen, das durch Abnützung oder durch ältere Reparaturen, die nicht mehr dem heutigen Restaurationsstandard entsprechen, verlorengegangen ist. Die Originalholz-Transplantation erfordert ein hohes Maß an handwerklichem Geschick und Erfahrung und ist komplex und zeitintensiv, weshalb ich diese Technik fast ausschließlich bei der Restauration von sehr wertvollen Instrumenten anwende. 

Die folgenden Beispiele sollen zeigen, welche Ergebnisse mit der Originalholz-Transplantation möglich sind:

Restauration einer Violine, gebaut in Paris vor 1800, für einen Kollegen in Deutschand

Bei dieser alten Violine wurde im Zuge einer alten Reparatur ein Stück Holz in den Boden eingesetzt, das nicht zum Original paßt. Das Holz dieses Bodens zeichnet sich durch sehr lange Markstrahlen im Bereich der Reparaturstelle aus, ein perfekt passendes Stück Reparaturholz zu finden ist unmöglich. In einer aufwendigen Restauration wurde das fehlende Stück Holz deshalb durch einen Originalspan ersetzt.

Foto Außenansicht
 

Außenansicht

Foto Innenansicht
 

Innenansicht

Die Mittelfuge der beiden Bodenhälften wurde geöffnet und das eingesetzte Stück entfernt.

Foto schlecht passendes Holzstück entfernt
 

schlecht passendes Holzstück entfernt

Von der Innenseite wurden mit einem speziell angeschliffenen Messer und mit freier Hand 2 ca. 0,4mm starke Holzspäne herausgeschnitten. Ein Span hätte genügt, der zweite Span wurde nur als Reserve entnommen.

Foto Innenansicht mit den 2 entnommenen Originalholzspänen
 

Innenansicht mit den 2 entnommenen Originalholzspänen

Anschließend wurde einer der entnommenen Originalholzspäne in einer Gipsform an die richtige Stelle geleimt. Auf dem folgenden Foto kann man bereits erkennen, wie die Markstrahlen perfekt durchlaufen.

Holzmaserung paßt perfekt
 

Holzmaserung paßt perfekt

Im nächsten Schritt wurde das fehlende Zäpfchen und die Stelle, an der die Originalspäne entnommen wurden, mit einem einzigen Stück neuem Holz ersetzt.


Futter und Zäpfchen aus einem neuen Stück Holz
 

Futter und Zäpfchen aus einem neuen Stück Holz

Die beiden Bodenhälften wurden anschließend neu gefugt. Der fertige Boden wurde wieder auf das Instrument aufgeleimt, die fehlende Einlage ersetzt und das Zäpfchen verputzt. Der eingesetzte Originalholzspan wurde retuschiert und die Retusche leicht imitiert, damit sich die Retusche besser in das Gesamtbild der alten Violine einfügt.

Foto vor dem Retuschieren
 

vor dem Retuschieren

Foto während des Retuschierens
 

während des Retuschierens

Foto fertige Retusche
 

fertige Retusche

Restauration einer Violine von Johannes Theodorius Cuypers, Den Haag 1792, für einen Kollegen in den Niederlanden

Diese Violine hatte einen von Wurmbefall verursachten Schaden. Betroffen davon waren hauptsächlich die Decke und die linke Unterzarge. Die Wurmgänge in der Decke auf der rechten Seite des Griffbrettes wurden mit sogenannten Stäbchen ausgesetzt, deren Holzrichtung nicht mit der Holzrichtung des sie umgebenden Originalholzes übereinstimmte. Deshalb wurde das Licht unter der Lackretusche anders reflektiert, und die Reparatur war sehr offensichtlich und auffällig.

Auf dem ersten Bild ist ein Teil dieser Stäbchen erkennbar, auf den beiden folgenden Bildern wurden die Stäbchen bereits entfernt.

Foto mit Stäbchen ausgesetzte Wurmgänge
 

mit Stäbchen ausgesetzte Wurmgänge

Foto entfernte Stäbchen im Gegenlicht
 

entfernte Stäbchen im Gegenlicht

Foto entfernte Stäbchen
 

entfernte Stäbchen

Von der Innenseite der Decke wurde ein Originalspan entnommen und die vom Wurm befallene Stelle damit verschlossen. Somit war die Richtung der Holzfaser und die Reflektion des Lichts genau die gleiche wie beim die Schadenstelle umgebenden Originalholz. Nach dem Retuschieren war die Stelle nicht mehr zu erkennen.

Foto ursprüngliche Schadenstelle mit retuschiertem Originalspan
 

ursprüngliche Schadenstelle mit retuschiertem Originalspan

Foto ursprüngliche Schadenstelle mit retuschiertem Originalspan
 

ursprüngliche Schadenstelle mit retuschiertem Originalspan

In der linken Unterzarge waren die Wurmgänge mit 2 Holzstücken ausgesetzt, die aber nicht besonders gut zur Zarge passten. Diese beiden Stücke sollten mit originalen Holzspänen ersetzt werden, die ich der Zarge entnehmen wollte. Die Herausforderung war aus der gut 1mm starken Zarge frei Hand zwei ca. 0,4 mm starke und 9 cm lange Späne zu schneiden, ohne weder die Zarge noch die Späne zu verletzen. Die beiden Späne wurden dann anstelle der schlecht passenden Holzstücke eingesetzt und anschließend retuschiert. Im zweiten und dritten Bild kann man sehr gut erkennen, wie die Flammen der Zarge durchlaufen.

Foto schlecht passendes Reparaturholz
 

schlecht passendes Reparaturholz

Foto eingesetzte Originalholzspäne
 

eingesetzte Originalholzspäne

Foto nach dem Retuschieren
 

nach dem Retuschieren

Nach dem Entnehmen der beiden Holzspäne von der Zangeninnenseite wurde die Zarge dubliert um die ursprüngliche Materialstärke wiederherzustellen. Anschließend wurde auch die Innenseite der Zarge retuschiert.

Foto Innenseite der Zarge vor dem Retuschieren
 

Innenseite der Zarge vor dem Retuschieren

Foto Innenseite der Zarge nach dem Retuschieren
 

Innenseite der Zarge nach dem Retuschieren

Die Restauration dieser Violine dauerte ca. 2 Jahre, mittlerweile befindet sich das Instrument wieder in den Händen seines Besitzers in den Niederlanden.

Restauration einer Violine von Antonio und Hieronymus Amati, Cremona 1619, für einen Kollegen in London

Die oberen f-Lochkugeln dieser Violine waren im Laufe der Zeit mit nicht passendem Holz ausgesetzt worden. Diese Holzstücke wurden von mir entfernt, von der Innenseite der Decke originale Holzspäne entnommen und an diese Stelle transplantiert. Weil im Zuge der Restauration auch noch ein schlecht gemachtes Brustfutter ersetzt und 5 alte Deckenstimmrisse restauriert wurden, war das Entnehmen der beiden Holzspäne ohne größeren zusätzlichen Arbeitsaufwand und Materialverlust möglich.

Die folgenden beiden Bilder zeigen die eingesetzten und schlecht passenden Holzstücke in den oberen f-Lochkugeln.

Foto linkes f-Loch
 

linkes f-Loch

Foto rechtes f-Loch
 

rechtes f-Loch

Nahaufnahme:

Foto linkes f-Loch
 

linkes f-Loch

Foto rechtes f-Loch
 

rechtes f-Loch

Nach dem Retuschieren der eingesetzten Originalholzspäne:

Foto linkes f-Loch
 

linkes f-Loch

Foto rechtes f-Loch
 

rechtes f-Loch

Wie man sehen kann, können mit der Technik der Originalholz-Transplantation erstaunliche Resultate erzielt werden.

Um ständig auf dem neuesten Stand der Restaurationstechniken zu bleiben ist mir die fachliche Fortbildung und der Austausch mit meinen Restaurationskollegen deshalb besonders wichtig. Mein internationales Netzwerk an Kontakten kommt mir dabei zu Gute.


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